Stell dir vor: Du stirbst morgen. Deine Familie weiss, dass du irgendwo Bitcoin hast. Vielleicht auf einem Ledger, vielleicht auf einer Exchange. Niemand kennt das Passwort. Niemand kennt die Seed Phrase. Das Geld ist weg — rechtlich zwar Erbmasse, praktisch aber verloren.

Und das ist nur ein Beispiel. Deine iCloud-Fotos? Gesperrt. Das Online-Banking? Niemand kann rein. Die Netflix-Kreditkarte? Wird weiter belastet, bis jemand die Bank anruft und stundenlang wartet.

Das ist die stille Katastrophe des digitalen Zeitalters — und die Schweiz hat bis heute kein Gesetz, das das regelt.

Was die Schweiz dazu sagt — und was sie nicht sagt

Das Schweizer Zivilgesetzbuch (ZGB) regelt den Nachlass detailliert: Wer erbt was, in welcher Reihenfolge, mit welchen Pflichtanteilen. Aber das ZGB stammt aus einer Zeit, in der niemand an iCloud, Bitcoin oder Netflix gedacht hat.

Die Rechtslage heute: Digitale Assets sind grundsätzlich Erbmasse. Das bedeutet, dein Bitcoin gehört deinen Erben — aber niemand kann ihnen sagen wie sie drankommt. Das Passwort ist nicht vererbbar. Der Private Key auch nicht, wenn du ihn nicht hinterlässt.

Das Kernproblem: Schweizer Erbrecht kennt das Prinzip "Eigentum geht auf Erben über" — aber digitale Zugänge gehen nicht automatisch über. Ohne explizite Dokumentation der Zugangsdaten sind digitale Assets in der Praxis verloren, egal was das Gesetz sagt.

Die fünf grössten Problemzonen

1. Kryptowährungen

Das offensichtlichste Problem. Bitcoin, Ethereum und Co. sind ohne Seed Phrase oder Private Key technisch nicht zugänglich. Es gibt keine Hotline, keine "Passwort vergessen"-Funktion, keine Behörde die helfen kann. Wer die Seed Phrase nicht kennt, kommt nicht rein — und das war von Satoshi Nakamoto so gewollt.

Schätzungen zufolge sind weltweit bereits über 3 Millionen Bitcoin unwiederbringlich verloren gegangen — ein erheblicher Teil davon durch Todesfälle ohne Vorsorge.

2. Passwörter und E-Mail

Das E-Mail-Konto ist der Master-Schlüssel zu allem. Wer Zugang zur Haupt-E-Mail hat, kann Passwort-Resets für alle anderen Dienste auslösen. Umgekehrt: Wer keinen Zugang hat, ist ausgesperrt.

Viele Menschen nutzen heute Passwort-Manager — was prinzipiell gut ist. Aber wenn das Master-Passwort nirgends hinterlegt ist, hilft auch der beste Passwort-Manager nichts.

3. Smartphones und Geräte

Der iPhone-PIN ist nicht "nur" ein Entsperrcode. Er schützt die gesamte iCloud-Welt: Fotos, Dokumente, iMessage-Verläufe, Gesundheitsdaten. Apple lässt selbst bei Todesnachweis nicht ohne Weiteres rein — das dauert Monate und endet oft erfolglos.

4. Cloud-Daten und Fotos

Familienfotos auf iCloud oder Google Photos sind nach dem Tod der Person gesperrt. Die Tech-Konzerne haben "Legacy Contact"-Programme eingeführt, aber die müssen explizit vor dem Tod eingerichtet werden. Tut das kaum jemand.

5. Laufende Abonnements

Kein Drama im Vergleich zu Krypto — aber ein echtes Ärgernis. Netflix, Spotify, Adobe, Apple One, diverse SaaS-Dienste laufen weiter, werden weiter abgebucht, bis jemand aktiv kündigt. Ohne Zugang zu E-Mail und Passwörtern ist das schwieriger als es klingt.

Besonders in der Schweiz: Die FINMA und die Banken sind in Nachlass-Prozessen bekannt dafür, sehr gründlich (und langsam) vorzugehen. Online-Banking-Zugang kann ohne die richtigen Dokumente für Monate eingefroren sein, während laufende Kosten weiterlaufen.

Was du konkret tun kannst

Die gute Nachricht: Das Problem ist lösbar. Du brauchst keinen Anwalt, keine teure Software und keine technischen Kenntnisse. Du brauchst ein strukturiertes Dokument — das du in einer Stunde erstellen kannst.

Das Ziel ist nicht, Passwörter aufzuschreiben. Das Ziel ist, deinen Erben zu sagen wo die Zugangsdaten zu finden sind und wie sie vorgehen sollen.

Schritt 1: Passwort-Manager einrichten

Wenn du noch keinen hast — jetzt ist der Moment. Alle Zugangsdaten an einem Ort, sicher verschlüsselt. Wir empfehlen heylogin — kein Master-Passwort nötig, Authentifizierung via Smartphone. Für den Nachlass: Export-Funktion nutzen und an sicherem Ort hinterlegen.

Schritt 2: Vertrauensperson bestimmen

Wer soll im Ernstfall als erstes informiert werden und handeln? Das muss nicht der Haupterbe sein — es kann auch ein technikaffiner Freund sein, der deiner Familie hilft. Diese Person muss wissen, wo das Dokument liegt.

Schritt 3: Dokument erstellen

Unser kostenloser Assistent führt dich Schritt für Schritt durch alle relevanten Bereiche: E-Mail, Banking, Krypto, Cloud, soziale Medien. Am Ende generiert er ein PDF direkt in deinem Browser — nichts wird gespeichert.

Schritt 4: Sicher aufbewahren

Das Dokument auf Papier ausdrucken, in einem versiegelten Couvert bei der Vertrauensperson oder einem Notar hinterlegen. Nicht digital speichern. Nicht in der Cloud. Einmal jährlich aktualisieren.

Rechtlicher Hinweis: Ein Nachlass-Dokument ist kein Testament. Für rechtliche Wirksamkeit muss ein Testament in der Schweiz vollständig handschriftlich verfasst, datiert und unterschrieben sein (ZGB Art. 505). Bei grösserem Vermögen empfiehlt sich ein Notar.

Für wen ist das besonders wichtig?

Ehrlich gesagt: für jeden mit digitalen Assets. Aber besonders dringend ist es, wenn du:

Es gibt keine Altersgrenze für Vorsorge. Ein 30-Jähriger mit 5000 CHF Bitcoin sollte das genauso geregelt haben wie ein 60-Jähriger mit einem diversifizierten Portfolio.

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